Reisebericht Ahrntalfahrt 2014

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Bürgermeister Spitzer verabschiedet die Radler

Nach monatelanger Vorbereitung in sportlicher wie auch organisatorischer Hinsicht war es endlich soweit. Am 23.08.2014 pünktlich um 08:00 Uhr startete
der Ahrntal-Tross in Richtung Süden.
Bürgermeister Uwe Spitzer ließ es sich nicht nehmen, jedem Teilnehmer die besten Glückwünsche mit auf dem Weg zu geben. In gemütlicher Fahrt ging es dann über Unter-Abtsteinach, Meckesheim, Eschelbronn, Neidenstein nach Waibstadt. Dann stellte sich das 1.Hindernis dieser Etappe in Form einer Vollsperrung in Neckarbischofsheim in den Weg. Die Ortsdurchfahrt erhält eine neue Bitumendecke und ist vollgesperrt. Was soll`s wir müssen hier durch. Auf dem schmalen Gehweg mussten wir unsere Rennräder ca. 2 km durch den Ort schieben. Das sollte nicht die letze Vollsperrung an diesem Tage sein. Weiter ging es nach Hasselbach, da kommt die nächste Überraschung. Als das Begleitfahrzeug an uns vorbeifuhr, ein fürchterlicher Schlag. Ein Kühlerdefekt bremst unser Begleitfahrzeug aus. Das ganze Gepäck ist im Fahrzeug und wird am Ende der Etappe in Winnenden dringendbenötigt. Jetzt ist Udo gefordert.

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Udo+Gaby steuern unseren Bus

Mit stoischer Ruhe organisiert er eine DB-Werkstatt in Sinsheim, die bereit ist, den Transporter zu reparieren. Ein Extra-Trinkgeld für die Monteure und Samstag-Überstundenzuschlag retten das ganze Unternehmen Ahrntal. Nicht auszudenken, wenn das Fahrzeug für mehrere Tage ausgefallen wäre. Die Radtruppe fährt unterdessen mit einiger Sorge dem 1. Etappenziel entgegen. Dann kommt mäßiger bis starker Regen auf, die Regenjacken sind im Begleitfahrzeug, in der Werkstatt. Wir entschließen uns, bei einem McDonald Drive unterzustellen und den Schauer abzuwarten. Wir fahren entlang des Neckars auf der Schwäbischen Weinstraße entlang und genießen die abwechslungsreiche Landschaft. Kurz vor Affälterbach die nächste Straßensperrung. Das Navi zeigt noch 4 km bis zum Hotel nach Winnenden. Es hilft nichts, wir müssen der schlecht ausgeschilderten Strecke nach Winnenden folgen bis wir endlich im Hotel Central eintrafen. Jetzt erhielten wir auch die Nachricht, das Udo mit repariertem Transporter auf dem Weg ist. Der Tag war gerettet. Der Tacho zeigt 145 km und 1271 HM an.

Die 2. Etappe führt uns am Sonntag früh durch Winnenden nach Steinach, Hösslingswarth, Rohrbrunn, Winterbach, Schorndorf Plüderhausen, Lorch, SchwäbischGmünd, Böbingen Essingen, Aalen, Oberkochen, Königsbronn, Schnaitheim, Heidenheim, Giengen, Sontheim, Günzburg, Bubesheim, Oxenbronn, Oberegg, Deisenheim nach Krumbach ins Hotel Diem. Der Tag verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle ab, sieht man von einem Plattfuss von Manfred mal ab.

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Die ersten Rampen ….

Wir werden sehr freundlich im Hotel Diehm empfangen, sogar die Sonne scheint und das verdiente Weizen schmeckt besonders gut im Biergarten. Schade, dass wir hier nur eine Nacht bleiben. Der Tacho zeigt 164 km und 995 HM an.

Die 3. Etappe führt uns bei trockenem Wetter von Krumbach über Pflasterstraßen der Altstadt nach Haupeltshofen, Breitenbrunn, Weilbach, Oberrieden, Oberkamlach, Stetten, Eriesried bis Lauchdorf. Hier der nächste Defekt. Bei Robert`s Rad ist der Schaltzug gerissen. Provisorisch wird der Zug fixiert, aber jetzt darf keine steile Steigung kommen. Udo erhielt per Funk den Auftrag eine Radwerkstatt in Kaufbeuren zu suchen. Mit Erfolg! Nach dieser Zwangspause geht es weiter über Stöttwang, Sachsenried, Altenstadt nach Schongau. Wir fahren die steile Straße hoch durch das Altstadttor in die historische Altstadt rein. Wir schauen uns die schönen alten Häuser an und fahren am Ende der Stadt verbotener Weise eine Straße mit 18% Gefälle wieder auf unsere Route, die uns über Peiting nach Rottenbuch führt. Und hier haben wir die nächste Straßenvollsperrung von ca. 10 km vor uns. Zum Glück finden wir den Einstieg zum Radweg, der uns auf der geplanten Strecke fahren lässt. Aber unsere Begleitfahrzeuge sind erstmal weg und müssen weite Umwege fahren. Ingrid`s Navi will sich nicht mit der  Umleitungsbeschilderung arrangieren und will entweder wenden oder im Kreis fahren. Dann sind doch alle wohlbehalten in Bad Bayersoien angekommen. Im Bayersoier Hof scheint die Zeit stillgestanden zu sein. Eiche rustikales Mobiliar und currygelbe Sanitärobjekte prägen das Ambiente der Zimmer. Mit Sorge schauen wir gegen den Himmel, wird der Regen kommen, der von allen Wetterberichten vorhergesagt wird?

Die 4. Etappe bleibt uns als Regen-Etappe in Erinnerung. Schon beim Frühstücken regnet es in Strömen. Aber es hilft nichts. Wir müssen fahren. Die Plätze im Begleitbus und den Begleitfahrzeugen reichen nicht für alle. Gleich hinter Bad Bayersoien steigt der Radweg steil an und lässt uns gleich warmfahren. Die Nässe spüren wir nicht mehr. Wir geben Gas, nach 20 km fahren wir durch Oberammergau. Die schöne Ortsdurchfahrt wird uns immer noch durch den Regen vermiest. In flotter Fahrt geht es weiter nach Graswang, Ettal, Linderhof und dann entlang des Plansee. Wir können die schöne Landschaft einfach nicht geniesen. Die Nässe und Kälte wird bei der Abfahrt nach Reutte langsam auf der Haut zu spüren. Wir waren uns am Morgen alle einig, dass wir bei Regen nicht über das 1.894 m hohe Hahntennjoch fahren werden. Die Abfahrt bei Regen und schlechte Sicht bei bis zu 17% Gefällestrecken ist einfach zu gefährlich auf den Rennrädern. Als Alternative bleibt uns nur der Fernpass, den wir schon von früheren Radtouren her kannten. Wie erwartet macht uns der starke Kfz-Verkehr zu schaffen. Hinter uns staut sich der Verkehr auf der schmalen Pass-Straße. Auf dem Fernpass machen wir die Mittagspause. Frische Radklamotten und eine warme Suppe tun uns gut. Und es hört endlich auf zu Regnen. Die rasante Abfahrt auf abgetrockneter Straße führt uns über Nassereith nach Imst. Hier stoßen wir wieder auf unsere ursprünglich geplante  Route (vom Hahntennjoch). Weiter geht`s nach Zams, Landeck, Pfunds und weiter Richtung St. Moritz. Ohne Probleme fahren wir an der Schweizer Zollstation in Martinsbruck vorbei. Jetzt wartet die letzte Steigung für diesen Tag auf uns. In mehreren Serpentinen führt die ruhige, aber bis zu 10% steile Alpenstraße von Martinsbruck bis zur Norbertshöhe auf 1.461 m. Von hier schauen wir runter auf Nauders, dem Zielort dieser 4. Etappe. Im Hotel Edelweiss werden wir mit einem herrlichen Abendessen für die Strapazen verwöhnt. Jetzt sind Kohlenhydrate, elektrolytische Getränke und Franzbranntwein gefragt. Die Königs- Etappe hatte es in sich, der Tacho zeigt 176 km und 2.211 HM an.

Die 5.Etappe entschädigt uns für die Regenfahrt vom Vortag. Auf einem wunderschönen Radweg der entlang des Reschensees verläuft, fahren wir auf und nieder dem Vinschgau entgegen. In St. Valentin angekommen, zeigt sich zum 1.Mal die Sonne, die den ganzen Tag unser ständiger Begleiter sein wird. Und schon wieder eine Streckensperrung. Diesmal ist der Radweg für Rennradfahrer gesperrt. Deshalb müssen wir die Staatsstraße bis Burgeis nehmen. Von hier führt uns Rudi über tolle Radwege durch den Vinschgau. Der gut befestigte Radweg führt uns erst durch endlos erscheinende Apfelplantagen bis er in eine Schotterpiste mündet. Das Gemaule in der Truppe ist unüberhörbar. Die Strecke wird zum Härtetest für die schmalen Rennrad-Reifen. Zum Glück überstehen wir dies brenzlige Situation ohne Reifendefekte. Es geht kilometerlang abwärts nach Meran und es wird immer wärmer. Nach einem Zwischenstopp in Meran geht es weiter auf einem Radweg nach Bozen. Die Stadtdurchfahrt war Dank Navi relativ entspannt und wir fahren auf einem Radweg, der auf der Trasse einer stillgelegten Eisenbahnstrecke angelegt wurde, weiter nach Kardaun, Blumau, Atzwang, Waidbruck bis Klausen. Im Hotel Klostersepp werden wir kulinarisch verwöhnt und fühlen uns wohl. Es wird kein langer Abend, denn der nächste Tag sollte nochmal sehr anstrengend werden.

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Herzlicher Empfang im Untersteiner Hof

Die 6.Etappe sollte vom Wetter her die schönste Etappe werden. Wir fahren mit Sonnenschein den Radweg wieder zurück nach Waidbruck. Gleich hinter dem Tunnel wird es Ernst. Bis zu 16% steile Rampen gleich zu Anfang an zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, zu dem 30 km entfernten Grödnerjoch. Es geht stetig bergauf. Zum Glück sind die steilsten Rampen gleich hinter uns. Wir radeln durch die Wintersportorte  St. Ulrich, Wolkenstein und Gröden. Auf dem Grödnerjoch in 2.121 m Höhe erschließt sich die volle Pracht der Dolomitengipfel. Nach der Pause erfordert die Abfahrt vom Joch unsere vollste Konzentration. Der Straßenbelag ist von schlechter Qualität und bei Tempo 60 – 70 km/h eine echte Herausforderung. Wir genießen die fast 30 km lange Abfahrt  bis Bruneck. Nur die neu angelegten Tunnelabschnitte erfordern höchste Aufmerksamkeit für die Strecke. Hinter Bruneck finden wir den Einstieg zu einem schönen Radweg, der uns durch eine herrliche Landschaft des Pustertals bis Sand führt. Hier machen wir den letzten Zwischenstopp bevor es in geschlossener Formation am Speikboden und Klausberg vorbei nach St. Jakob geht. Nun gilt es nur noch den letzten Anstieg vor dem Hotel Untersteinerhof zu nehmen und wird sind am Ziel. Die Wirtsleute Katharina und Berthold haben einen richtigen Zieleinlauf über der Straße aufgebaut, wie das bei einem richtigen Radrennen üblich ist. Welch ein Moment des Glücks als die ganze Mannschaft wohlbehalten -und ohne Unfälle- durch den Zielbogen rollt. Der Empfang ist wie bei den vorherigen Fahrten überwältigend. Wir werden von Katharina und Berthold gebührend empfangen. Auch die Presse und ein Vertreter des Touristikverbands Ahrntal sind da. Jeder Teilnehmer erhält ein schönes Erinnerungsgeschenk an diese Fahrt. Anschließend können wir mit Südtiroler Spezialitäten unseren Energiehaushalt wieder aufforsten.

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Ahnrtalfahrt 2019 ?

Am nächsten Tag ist relaxen angesagt. Wir fahren und wandern zur Hollenzalm. Auf 1.831 m Höhe erleben wir einen sonnigen Tag auf der Alm, genießen die Berge diesmal im Liegestuhl und lassen es uns bei einer Südtiroler Jausen mit Rotwein gut gehen. Danach heißt es Abschied nehmen.

Eine Frage jedoch bleibt offen: Wird es eine 7.Ahrntalfahrt im Jahr 2019 geben?

Zusammenfassung Streckencharakteristik:

1.Etappe: 145 km; 1.271 HM

2.Etappe: 164 km; 995 HM

3.Etappe: 112 km; 1.193 HM

4.Etappe: 176 km; 2.211 HM

5.Etappe: 154 km; 1.071 HM

6.Etappe: 116 km; 2.142 km

Summe:  867 km: 8.883 HM

2 Kommentare

2 thoughts on “Reisebericht Ahrntalfahrt 2014

  1. Danke Peter für deinen tollen und sehr aussagekräftigen Bericht, über unsere Fahrt ins Ahrntal.
    Denke gerne an die Zeit zurück und stelle bei mir fest „Ah Ja, genau so war es“ ( Hab doch einiges vergessen )
    Werde ihn mir gleich kopieren und wenn mich jemand über unseres Erlebnis fragt, kann ich immer mal nach schauen.
    Möchte die Gelegenheit nutzen um mich bei dir für alles zu bedanken.
    Viele Grüße
    Dieter

  2. Vielen Dank! Für die tollen Tage mit euch. Und Danke für die Eindrücke von dir Peter. Es war ein Erlebnis diese Ahrntalfahrt. Ich bin begeistert über die sehr gute Organisation und Bekleitung. Danke an euch alle, die das möglich gemacht haben. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Fahrt Sonntags und wenn es auch erst nächstes Jahr wird. Viele Grüße Andi

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